Tafelklavier Teschemacher 1762

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Ein Tafelklavier nach Art eines Pantalons...


Über Carl Teschemacher ist uns bislang nichts Näheres bekannt. Ob ein Verwandtschaftsverhältnis zum Elberfelder Orgelbauer Jacob Engelbert Teschemacher (1711 - 1782) besteht, liegt ebenso im Dunkeln wie konkrete Lebensdaten von Carl Teschemacher. Die nur noch teilweise leserliche Signatur unseres Tafelklaviers weist neben dem vermutlichen Erbauungsjahr 1762 "Natrop bei Datteln" als Ort aus, eine kleine Bauernschaft am nördlichen Rand des heutigen Ruhrgebiets.


Der schlichte Korpus des Instruments ist aus massivem Eschenholz gefertigt. Die akustische Anlage des Resonanzbodens entspricht mit ihrer relativ breiten Flachrippe durchaus den Gepflogenheiten des mitteldeutschen Clavierbaus dieser Zeit. Die Hammermechanik ist eine einfache Prellmechanik mit Holzkapseln, die kleinen aus Obstholz gefertigten Hämmerchen tragen sehr dünne Leder. Neben dem Lautenzug war ursprünglich vermutlich eine Fransenleiste als Generaldämpfung vorhanden, von ihr zeugen heute noch diverse Spuren, ebenso ein Oboenregister. Bei letzterem wird ein Stab von unten im Stegbereich gegen den Resonanzboden gedrückt, was dessen Schwingfähigkeit in diesem Bereich und damit die Übertragung von Schwingungsenergie beschränkt und den Klang oboenähnlich nasal einfärbt. Der Tonumfang beträgt viereinhalb Oktaven von C bis f3. Von seiner Konzeption ohne Einzeltondämpfung und Registern wie Laute und Fransendämpfung her kommt das Instrument dem Typus des Pantalonhammerklaviers sehr nahe, wenngleich der bei dieser Form oft anzutreffende Moderator fehlt.


 

Verschiedene Details des Instruments lassen den Schluss zu, dass Carl Teschemacher kein gelernter Instrumentenbauer war: So sind etwa die Spatien der Klaviatur sowie die Klaviaturteilung nicht mit der Präzision ausgeführt, wie man es bei Meistern des Instrumentenbaus erwartet; die originalen Stimmwirbel stehen in zum Teil unregelmäßg schief gebohrten Wirbellöchern; der Steg hat zwei überzählige Sitfte; die Schränkung der Saitenenden auf der Wirbelseite ist in Einzelfällen suboptimal ausgeführt. Andererseits erzählen andere Details von einer "liebevollen" Arbeit, wie etwa die schöne Tonbeschriftung auf der Druckentlastungsleiste oder die Auswahl schön gemaserten Holzes für das Vorsatzbrett Aus unserer Sicht sind dies Indizien für die Erbauung durch eine Person, die nicht in erster Linie Instrumentenbauer war: Zünftige Clavierbauer hätten an den Beispielaspekten sauberer gearbeitet. Andererseits ist das Nachbauen von Instrumenten nach Augenschein beispielweise durch örtliche Tischler im historischen Clavierbau durchaus keine Seltenheit. Ein solcher Fall könnte auch hier vorliegen. Die eher ungewöhnliche, an prominenter Stelle im vorderen Resonanzbodenbereich mit Tinte geschriebene Signatur mag auf den Stolz des Erbauers verweisen.


Mit dem Erbauungsjahr 1762 stellt das Instrument übrigens ein recht frühes Beispiel eines deutschen Tafelklaviers dar. Angesichts der Vermutung, dass das Instrument von einem instrumentenbautechnischen "Laien" nach einem Vorbild nachgebaut wurde, das Vorbild also älter sein muss, ist es auch ein Beleg für die Pantalon genannte Adaption des Pantaleon-Konzepts (nach Pantaleon Hebestreit, dem Hackbrettvirtuosen des 18. Jahrhunderts) im Tafelklavierbau Mitte des 18. Jahrhunderts.


 

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