Schenkung Dr. Siede

Schenkung Dr. Siede an unsere Sammlung...

 

In den Jahren 2015 und 2016 konnte unsere Sammlung erfreulicherweise zwei Zugänge als Schenkung verzeichnen: Die Eheleute Dr. Siede überließen uns zwei Tasteninstrumente, ein historisches Clavichord aus der Zeit um 1830/1840 sowie ein Clavicytherium, das Herr Dr. Siede "mit viel Herzblut" vor einigen Jahren für das eigene Musizieren gebaut hatte. Wir bedanken uns herzlich für diese außergewöhnlich großzügige Unterstützung. Beide Instrumente bereichern unsere Sammlung auf jeweils eigene Art und Weise:

Das Clavichord aus der Zeit um 1830/1840 stellt eine hoch interessante Erweiterung unseres Spektrums im Bereich historischer Originalinstrumente dar. Zu diesem Instrument ist hier ein separater Artikel erschienen.

Ebenso freuen wir uns, mit dem Clavicytherium eine Nachschöpfung dieses besonderen, historisch bedeutsamen Instrumententypus und gleichzeitig ein Dokument der Renaissance der Kielclaviere im Rahmen der Alte Musik-Bewegung um die Mitte des 20. Jahrhunderts zu besitzen, welches in Zukunft in ausgewählten Veranstaltungen eingesetzt werden wird.

 

Das Clavicytherium ist dem Grunde nach ein aufrecht stehendes Cembalo; das heißt, seine vertikal verlaufenden Saiten werden durch Kiele angerissen. Clavicytherien können in diesem Sinne durchaus als Vorläufer der aufrechten Hammerklaviere verstanden werden. Die Ursprünge des Instrumententypus liegen – ähnlich wie bei Cembalo und Clavichord – im Dunkeln, jedoch dürfte das Clavicytherium im Mittelalter zeitlich nicht weit entfernt von Cembalo entstanden sein. Jedenfalls ist das vermutlich älteste erhaltene Kielclavier nicht etwa ein Cembalo, sondern ein Clavicytherium. Es wurde vermutlich um das Jahr 1470 in Süddeutschland erbaut und befindet sich heute in der Sammlung des Royal College of Music in London. Sebastian Virdung etwa erwähnt das Instrument 1511 in Musica Getutscht. Michael Praetorius zeigt in Syntagma Musicum (1614 bis 1620) zusammen mit anderen Tasteninstrumenten das Bild eines Clavicytheriums (vgl. die erste Abbildung von oben auf der rechten Seite). Eine weitere interessante Darstellung eines solchen Instruments findet sich etwa in einem Gemälde von Andrea Sacchi aus dem Jahre 1641 (vgl. die zweite Abbildung von oben auf der rechten Seite: Andrea Sacchi, Marc’Antonio Pasqualini gekrönt von Apoll, Metropolitan Museum of Art, gemeinfreie Abbildung nach Wikimedia).

Die Vorteile des Clavicytheriums gegenüber dem Cembalo sind die direktere Klangabstrahlung, bedingt durch die aufrechte Anordnung des Resonanzbodens und der Saiten, der geringe Bedarf an Stellfläche im Raum und das attraktive Erscheinungsbild. Der wesentliche Nachteil des Instruments ist hingegen die kompliziertere Mechanik: Während beim Cembalo oder Spinett die Springer mit dem Federkielen beim Loslassen der Taste durch die Schwerkraft zurückfallen, wirkt diese beim Clavicytherium nicht, da die Springer waagerecht, im rechten Winkel zu den aufrecht verlaufenden Saiten angeordnet sind. Sie müssen durch Federn, zusätzliche Gewichte in den Tasten und Verbindung mir selbigen oder durch besondere Ausformung der Springer – so etwa viertelkreisförmig bei Martin Kaiser – zurückgeholt werden, was zum einen den Bau komplizierter macht und zum anderen die Spielart gegenüber dem Cembalo tendenziell verschlechtert.

Clavicytherien werden im „klassischen“ Cembalobau dennoch bis ins 18. Jahrhundert gebaut. Eine besondere Renaissance erlebten sie im Rahmen der Alte Musik-Bewegung gegen Mitte des 20. Jahrhunderts. Auch das Instrument unserer Sammlung entstand in diesem Zusammenhang. Vorbild des Instruments ist dabei ein Cembalo des italienischen Typus mit zwei Unisonchören und einem Tonumfang von GG bis e3 bei kurzer Bassoktav. .

 

 

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