Hammerflügel Boisselot 1849

Ein Hammerflügel aus Marseille nach dem Geschmack von Franz Liszt ...

 

Jean Baptiste Louis Boisselot, im Jahr 1782 in Montpellier als Sproß einer Geigenbauerfamilie geboren, begann in den Jahren 1830/31 in Marseille gemeinsam mit seinem Sohn Louis Constantin Boisselot (1809 – 1850) mit der Produktion von Klavieren. Zuvor hatte er unter anderem in seiner Niederlassung in Marseille, wo er sich1823 entgültig niederließ, mit Musikalien, später auch mit Tafelklavieren und Harfen gehandelt. Louis Constantin Boisselot hatte in den Jahren 1826/27 das Klavierbauhandwerk in Paris und Nîmes erlernt. Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1847 übernahm er die Leitung des florierenden Klavierbauunternehmens, überlebte seinen Vater aber nur um drei Jahre. Als Louis Constantin Boisselot 1850 starb, gab sein Bruder Xavier seine Komponistentätigkeit in Paris auf und übernahm die Leitung des Unternehmens.

Nach ihrer Gründung in den Jahren 1830/31 steuerte die Klavierproduktion der Boisselots schnell auf Erfolgskurs. Wurden ab 1834 mit etwa 70 Arbeitern rund 100 Instrumente pro Jahr produziert, verließen um das Jahr 1848 bereits rund 400 Instrumente jährlich die Werkstätten mit ihren rund 150 Facharbeitern, die zum Teil aus Deutschland und England angeworben worden waren. Von der herausragenden Qualität der Instrumente Boisselots zeugt auch die Verleihung der Médaille d'Or im Rahmen der Pariser Expositions nationales in den Jahren 1844 und 1849, von der die in der Klaviaturklappe unseres Hammerflügels mit verschiedenen Metallen intarsierte Signatur berichtet. Der wohl berühmteste Kunde der Boisselots war Franz Liszt. Liszt spielte über Jahre hinweg einen Hammerflügel aus Boisselots Werkstätten, der bis heute in Weimar erhalten ist, und war der Familie Boisselot freundschaftlich verbunden.

 

Der Boisselot-Hammerflügel unserer Sammlung mit der Produktionsnummer 3645 entstand um das Jahr 1849. Mit oben liegenden Eisenspreizen bei geradsaitigem, zwei- bis dreichörigem Saitenbezug ist er ein typisches Beispiel des fortschrittlichen französischen Klavierbaus in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Der knapp 2,10 Meter lange Korpus ist mit hochwertigem Palisander funiert und mit Schellack poliert. Drei schlanke Balusterbeine, Ziernöpfe aus Messing sowie Flammleisten an Korpus und Deckel gehören ebenso zur dezent-eleganten Ausstattung des Instruments wie die bereits erwähnte mit Metalleinlagen gestaltete Erbauersignatur auf der Innenseite der Klaviaturklappe. Der Tonumfang beträgt 6 2/3 Oktaven von CC bis a4. Die Hammerköpfe tragen die originalen Filze, welche sich in einem außergewöhnlich guten Zustand präsentieren. Details wie etwa die Auswahl exquisiter Materialien im sichtbaren, besonders aber auch im nicht sichtbaren Bereich, und die präzise Verarbeitung derselben zeugen noch heute von der hohen Manufakturkunst der Boisselotschen Werkstätten.

 

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